Deutsche Bank

Unternehmerische Verantwortung
Bericht 2015

Umwelt- und Sozialrisiken

Als globale Bank unterhalten wir Geschäftsbeziehungen in allen Bereichen der Wirtschaft. Dazu zählen auch Sektoren, deren Aktivitäten mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft verbunden sein können. Diese Auswirkungen stellen ein Risiko für unser Finanzergebnis und unsere Reputation dar.

Kritische Sektoren und Themen

Umwelt- und Sozialrisiken (ES-Risiken) sind vielfältig und komplex. Sie reichen von Umweltverschmutzung und Artengefährdung über den Verlust von Landrechten bis hin zur Missachtung von Menschen- und Arbeitsrechten. Für eine umfassende Bewertung potenzieller ES-Risiken halten wir daher Einzelfallprüfungen, die sich auf ein tiefgreifendes Verständnis der jeweiligen sozioökonomischen und ökologischen Situation stützen, für unerlässlich. Deshalb entscheiden wir über jede risikobehaftete Transaktion individuell. Eine Ausnahme bilden Transaktionen, die in Zusammenhang mit Streumunition stehen. Hierfür haben wir verbindliche Ausschlusskriterien definiert.

Wir haben zahlreiche Sektoren bestimmt, die aufgrund der Art ihrer Aktivität erhöhte ES-Risiken aufweisen. Dazu zählen:

  • Raumfahrt und Verteidigung
  • Chemie
  • Metallverarbeitung und Bergbau
  • Öl und Gas
  • Agrarindustrie, inkl. Zellstoff- und Papierherstellung
  • Versorgungsbereich
  • andere CO2-intensive Bereiche

In diesen Sektoren ermitteln wir Themen, die ein gezieltes Management von ES-Risiken erfordern. Sie werden in unserem ES-Rahmenwerk thematisiert. Zu einigen dieser Themen veröffentlichen wir die Position der Bank (siehe Tabelle unten). Interne Leitlinien unterstützen unsere Mitarbeiter bei der Beurteilung dieser Sachverhalte.

Unsere Standpunkte db.com/cr/de/positionen

Querschnittsthemen

 

Unser Standpunkt

Menschenrechte

 

Wir haben die Selbstverpflichtung UN Global Compact unterzeichnet, die sich ausdrücklich dazu bekennt, die Menschenrechte zu achten. Unsere internen Richtlinien spiegeln Menschenrechtsaspekte im Sinne der UN-Leitlinien wider. Menschenrechte sind auch Teil des Prüfungsprozesses von Unternehmen und Staaten im Rahmen unseres ES-Risikorahmenwerks. Unsere sektorspezifischen Richtlinien erläutern die Thematik und geben Hinweise, wie damit umzugehen ist.

In vierten Quartal 2015 wurde eine formale Erklärung zum Thema Menschenrechte veröffentlicht.

Geschützte Ökosysteme und Kulturstätten

 

Bei der Bereitstellung von Finanzierungen berücksichtigen wir, wenn zutreffend, den Einfluss von Kundenaktivitäten auf geschützte Gebiete mit beispielsweise großer Artenvielfalt oder international anerkannte Gebiete wie z. B. Feuchtgebiete nach der Ramsar-Konvention. Transaktionen, die möglicherweise einen negativen Einfluss auf diese Gebiete haben könnten, unterliegen einer erweiterten Prüfung.

Wir werden Aktivitäten in oder in der Nähe von Welt- und Kulturerbestätten nur unterstützen, wenn die jeweilige Regierung und die UNESCO darin übereinstimmen, dass die Aktivitäten keine negativen Auswirkungen auf den außergewöhnlichen universellen Wert der Stätte haben.

 

 

 

Sektoren*

 

Unser Standpunkt

Agrarindustrie (z.B. Palmöl)

 

Wir sind uns der Risiken des Palmölsektors bewusst, erkennen jedoch gleichzeitig seine Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung in einigen Ländern und für viele Produkte an. Als Mindeststandard fordern wir von Kunden einen Zertifizierungsplan für Plantagen oder Mühlen, der den Kriterien des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) entspricht.

Wir haben den Soft Commodities Compact unterschrieben, um eine nachhaltige Produktion von Palmöl, Holzprodukten, Soja und Fleisch zu fördern.

Agrarrohstoffe

 

Zahlreiche Studien haben keine überzeugenden Belege dafür gebracht, dass finanzielle Aktivitäten an den Agrarterminmärkten zu höheren Preisen oder stärkeren Preisschwankungen führen. Wir sind überzeugt davon, dass Finanzprodukte eine wichtige Voraussetzung für funktionierende Märkte sind, und wir unterstützen Forderungen nach mehr Transparenz und angemessenen gesetzlichen Regelungen.

Kernkraft

 

Wir sehen die Kernenergie als wichtige CO2-arme Brückentechnologie auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Energiemix. Deshalb finanzieren wir Transaktionen im zivilen Kernkraftsektor, wenn sie länder- und projektspezifische Kriterien erfüllen, beispielsweise die Einhaltung wesentlicher internationaler Abkommen und Verträge sowie von Gesundheits-, Sicherheits-, Umwelt- und Sozialstandards.

Kohle

 

Kohle wird weiterhin benötigt, bis die erneuerbaren Energien die Nachfrage in ausreichendem Maß abdecken. Bei Bergbauvorhaben und der Energiegewinnung erwarten wir die Anwendung von bestmöglichen Technologien, um die negativen Auswirkungen auf die Umwelt möglichst gering zu halten. Zudem fordern wir, dass sie Nachhaltigkeitskriterien wie die IFC Performance Standards berücksichtigen und ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem wie etwa nach ISO 14001 einrichten.

Mountain Top Removal

 

Obwohl Mountain Top Removal (MTR) ein etabliertes und reguliertes Bergbauverfahren ist, unterliegt es einer regelmäßigen politischen, rechtlichen und regulatorischen Prüfung. Genauso wie einige andere Akteure im Bergbausektor, stellen wir seit dem Jahr 2008 einen stetigen Rückgang der MTR-Aktivitäten fest. Wir gehen davon aus, dass dieses Verfahren kurz- bis mittelfristig nicht mehr angewandt werden wird. Unter Berücksichtigung dieser Entwicklung haben wir unsere Position zu MTR angepasst. Dementsprechend ziehen sich die Deutsche Bank und ihre Tochtergesellschaften schrittweise aus der Vergabe von Krediten an und der Ausgabe von Anleihen und Aktien für Bergbauunternehmen zurück, sofern diese wesentlich zur Kohleproduktion durch MTR-Verfahren in den USA beitragen.

Waffen/Streumunition

 

Die Deutsche Bank stellt seit dem Jahr 2009 keine direkte Finanzierung von Streumunition zur Verfügung. Seit 2011 arbeiten wir nicht mehr mit Konglomeraten zusammen, die Geschäfte mit nach der Oslo-Konvention verbotener Streumunition oder deren Bestandteilen machen. Einige Vertragsbeziehungen haben wir beendet und bestehende Verträge verlängern wir nicht. In Zweifelsfällen lassen wir uns schriftlich bestätigen, dass Unternehmen keine Geschäfte tätigen, die in Zusammenhang mit Streumunition stehen, ehe wir eine Geschäftsbeziehung beginnen oder fortführen.

Wasserkraft

 

Mit unserem ES-Risikorahmenwerk beurteilen wir die möglichen negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen von Wasserkraftprojekten. Bevor wir Finanzierungen in Erwägung ziehen, verlangen wir stets die Einhaltung angemessener Nachhaltigkeitsstandards.

* In alphabetischer Reihenfolge